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Mangelhafte Sozial- und Wirtschaftsgeschichte
• • • • • (bewertet mit 2 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Die Thyssens: Tragödie der Stahlbarone (Gebundene Ausgabe) Obwohl anscheinend viel gelesen, haben die geschichtlichen Sachbücher von Thomas Rother immer ähnliche Probleme. Das Buch zur Geschichte der Familie Thyssen ist im Aufbau sehr schlecht strukturiert. Im chronologischen Ablauf der Familiengeschichte wird häufig zwischen ganz unterschiedlichen Zeitabschnitten hin und her gesprungen. An manchen Stellen hat man den Eindruck, dass der Autor vollkommen unabhängig voneinander einzelne Textteile erstellt hat, die dann ohne inhaltliche Übergänge lieblos zusammengefügt wurden. Eine grundlegende These oder ein roten Faden der Darstellung ist nicht erkennbar, obwohl in der Einleitung anspruchsvoll - mit Rückgriff auf die griechische Literatur der Antike - soetwas angekündigt wird. Eine tiefergehnde historische Analyse und faktenreiche Darstellung fehlt vollkommen. Das Ganze ist in einem flott, lockeren Erzählstil geschrieben, der an der Oberfläche bleibt und sich weitgehend am Sensationellen und Spektakulären orientiert. Die Satzstellungen sind stilistisch oft sehr abenteuerlich.Im Quellenverzeichnis werden unter anderem auch die Zeitschriften das 'Neue Blatt', 'Gala' und die 'Bunte' genannt und das Buch scheint auch streckenweise über das Niveau eines Prominentenreports nicht hinauszukommen. Manche historische Fakten im Umfeld der Familiengeschichte werden nicht korrekt referiert, so zum Beispiel die Aussagee über die 'Ruhrlade', einer informellen Vereinigung von Großindustriellen nach dem ersten Weltkrieg oder es werden "schmerzhafte" Vergleich gezogen zwischen den Streitigkeiten der Fritz-Thyssen-Stiftung und der Thyssenfamilie und den gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen der Krupp-Stiftung und der Familie von Bohlen und Halbach: Zwei grundverschiedene Ereignisse, die so in einem Atemzug nicht genannt werden können. Über die wirtschafts- und industriegeschichtliche Bedeutung von August Thyssen und seinem Lebenswerk erfährt man so gut wie nichts - außer das der Konzern sehr groß war und er selbst sehr reich geworden ist. Die Beschreibung der Rolle von Fritz Thyssen im Umfeld des Nationalsozialismus ist lobenswert, aber auch hier wird vollkommen unzureichend analysiert. Ganz entsetzlich ist das letzte Kapitel über Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza, den berühmten Kunstsammler.Im Stil der Regenbogenpresse wird hier eine Belanglosigkeit an die andere gereiht. Das Buch eignet sich als Unterhaltungsliteratur für industriegeschichtlich und gesellschaftsgeschichtlich interessierte LeserInnen. Wer Nichts über die Familie Thyssen weis, dem mag das Buch als erster Einstieg dienen. Nicht mehr und nicht weniger!
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 28. April 2003 |
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