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Beeindruckende Business-Biographie
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Die Familien Oetker sind bekannt für Backpulver und Pudding. Nicht minder erfolgreich sind sie allerdings in der Schifffahrt, bei Tiefkühlkost und als Deutschlands größte Bierbrauer bzw. Nummer zwei bei der Sektherstellung. Über den zweiten Familienzweig herrschen sie außerdem über die Schwartau-Werke (Konfitüre, Corny-Müsli-Riegel & Co).
Rüdiger Jungbluth gelingt es, nach "Die Quandts" ein weiteres Mal die (Erfolgs-)Geschichte einer Familiendynastie feinsäuberlich aufzudröseln und spannend aufzuzeigen, wie sich ein solches Imperium von Generation zu Generation wandelt, im Grunde aber immer weiterwächst.
Jungbluth ist ein Erzählkünstler. Wie leicht könnte man sich bei den Dutzenden von Oetkers verzetteln. Nicht er. Geschickt beginnt er z.B. mit zwei Nebenfiguren, um nach der Einführung des Gründers zu ihnen zurückzukehren und anschließend den historischen Faden weiterspinnen zu können.
Er spart die Verstrickungen in der Nazi-Zeit genauso wenig aus, wie die erheblichen Steuergeschenke, von denen Unternehmer wie die Oetkers bei der Währungsumstellung, vor allem aber in der Nachkriegszeit profitiert haben. Ebenso schildert Jungbluth, wie der deutsche Wirtschafts-Multifunktionär Arend Oetker sein Imperium still und heimlich ins Steuerparadies Schweiz übersiedelt.
Zwei Stellen haben mich besonders beeindruckt: U.a. zeigt ein Foto, wie um die Jahrhundertwende Backpulver schon maschinell in imposanten Fabriken hergestellt wurde. Davor warten allerdings noch einfache Pferdefuhrwerke, mit denen die Ware abtransportiert wurde. Hier wird einem sehr bildhaft die wahre Pionierleistung von Unternehmern wie August Oetker vor Augen geführt, die mit den Mitteln ihrer Zeit große Ideen voranbrachten.
Oetkers haben vor allen anderen verstanden, ihren Namen zu einem Markenzeichen und zu einem wahren "Householdname" zu machen. Ob in Zeitungsannoncen oder in selbst verlegten Koch- und Backlehrbüchern - ihnen war kein Mittel zu obskur, um Hausfrauen und Mütter auf ihr Backpulver einzuschwören. Auch das ein Beispiel für die Innovationsfreude dieser Zeit.
Ich habe "Die Oetkers" verschlungen wie "Die Quandts". Rüdiger Jungbluth bleibt für mich Deutschlands bester Business-Biograph. Er hat einen klaren, strukturierten Stil - und versteht es Zusammenhänge herauszuarbeiten. Er gibt einem das gute Gefühl, sich aus vielen Quellen zu bedienen und hakt auch nach, wenn ihm die offiziellen Türen verschlossen bleiben.
Fazit: Knapper und spannender kann man so eine Geschichte nicht erzählen!
Eine Rezension von Mio >
vom 22. September 2004 |