Im Land der Gottlosen: Tagebuch und Briefe aus der Haft 1944/45


 
Bewegende Botschaften von Liebe und Würde
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(TOP 100 REZENSENT)    Rezension bezieht sich auf: Im Land der Gottlosen: Tagebuch und Briefe aus der Haft 1944/45 (Gebundene Ausgabe) "Ich bin nun den vierten Sonntag hier und habe noch keine Kirchenglocke gehört. Die Sonntagsgeräusche unterscheiden sich von den Alltagsgeräuschen dadurch, dass das Hundegebell noch anhaltender ist und die Marschlieder den ganzen Vormittag füllen ...
Man fühlt sich so durchaus im Land der Gottlosen. Ich habe nie gedacht, dass das so spürbar wäre.""
Tagebucheintrag im Konzentrationslager Ravensbrück, 28. Februar 1944

Helmuth James von Moltke war 1940 Mitbegründer und einer der führenden Köpfe des Kreisauer Kreises".Nachseiner Verhaftung Anfang 1944 wurde er bis zu seiner Hinrichtung im Januar 1945 in verschiedenen KZs und Gefängnissen festgehalten. Wegen seiner Beteiligung am Attentat vom 20. Juli wurde er gefoltert. Sein Gefängnistagebuch und seine Briefe aus der Haftzeit an seine Ehefrau Freya von Moltke sind hier erstmals zusammen veröffentlicht. Das Buch ist eine intensive Schilderung, wie ein hochintelligenter und sensibler Mensch wie Moltke die Haft und die brutalen Verhöre übersteht und sich trotzdem seine Würde bewahrt und weiter Widerstand gegen die Tyrannei leistet. Neben seinem unerschütterlichen Glauben an Gott ist es für Moltke wohl der größte Trost gewesen, in einer Gemeinschaft mit Freunden agiert zu haben, von denen die wichtigste Person seine Frau war.

Das Buch ist zugleich ein historisches Dokument über eine der großen Figuren des deutschen Widerstand wie auch ein höchst bewegendes Epos über die Liebe wischen Moltke und seiner Frau Freya. Man spürt förmlich, wie sich die Eheleute über Stacheldraht und Mauern hinweg Mut spenden und sich gegeseitig stützen. Allein schon diese menschlich zutiefst bewegende Dimension lohnt die Lektüre.
Darüber hinaus ist das Buch für den historisch Interessierten zudem eine wichtige Quelle über die ideologischen Strömungen innerhalb der deutschen Widerstandsbewegung. Moltkes Briefen, bei aller Vorsicht vor der Postzensur, klar, dass er ein wahrer Demokrat war, der manche autoritäre Strömung unter den Widerständlern ablehnte. Die ganze Haltung Moltkes in der Haft zeigt, dass welch große Persönlichkeit dieser Mann war.
Man muss sich unwillkürlich fragen, welche wichtige Rolle Moltke im Nachkriegsdeutschland hätte spielen können, wenn die Nazis ihn nicht ermordet hätten.

In dieses Buch schaue ich immer wieder mal rein und jedes Mal finde ich Inspriration und Mut darin. Sicher ist es keine leichte Kost, aber für mich eines der besten Bücher, die in letzter Zeit gelesen habe.

Eine Rezension von Ein Kunde
vom 24. März 2011
Kundenrezensionen:
2. Ergreifend
1. Bewegende Botschaften von Liebe und Würde (die aktuell angezeigte Rezension)
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