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| Helmuth James von Moltke: Geschichte einer Kindheit und Jugend
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Gelungenes Biografiefragment
• • • • • (bewertet mit 4 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Helmuth James von Moltke: Geschichte einer Kindheit und Jugend (Gebundene Ausgabe) Das vorliegende Buch zeichnet Helmuth James von Moltkes Familiengeschichte, Kindheit und Jugend bemerkenswert detailliert nach. Der Autor wollte eine umfassende Biografie des nonkonformistischen Grafen verfassen, doch seine Krankheit und sein früher Tod verhinderten die Vollendung des Projekts, sodass das vorliegende Buch nur die Jahre bis etwa 1930 abdeckt. Der Leser lernt eingangs insbesondere Helmuth James' Großeltern und Eltern kennen, einen schlesischen Grafen und Großgrundbesitzer, sowie einen in Südafrika lebenden, schottischstämmigen britischen Bürger, der die Geschicke Südafrikas nicht unwesentlich beeinflusste und folglich geadelt wurde. Helmuth von Molke, aufgrund seiner kränklichen Konstitution kein erfolgreicher Militär und somit in Preußen ein Außenseiter, kann seinen fünf Kindern zunächst nur lokales Ansehen bieten. Es ist seine Frau Dorothy, deren Charme und welt"männisches" Auftreten Türen öffnen. Ihr ältester Sohn Helmuth James wandelt sich von einem mittelmäßigen Schüler im Potsdamer Internat zu einem sozial engagierten, kritischen jungen Mann mit Kontakten zu den besten Kreisen. Das Buch endet mit Moltkes Heirat mit Freya Deichmann und enthält ein Nachwort, in dem Moltkes Vorfahren Würdigung finden.
Bis zu Moltkes Rolle im Widerstand dringt dieses Biografiefragment nicht vor. Sehr detailliert und anschaulich hingegen beschreibt der Autor die familiäre "Vorgeschichte" des "boy", und zwar hauptsächlich anhand der Briefe von Dorothy an ihre Eltern, in denen sie recht offen ihr Verhältnis zu ihrem Erstgeborenen darlegt. Zugleich aber erhält der Leser einen tiefen Einblick in die Denkart des "ostelbischen Junkertums". Der bekennende 68'er Köhler entwirft ein so realistisches wie bestürzendes Bild von den zahlreichen Adligen jener Zeit, die sich auf ihren Grundbesitz verließen und den Wandel um sich nicht wahrnehmen wollten. Der Leser erfährt den jungen Helmuth James von Moltke als einen vielseitig interessierten, begabten Heranwachsenden. Zugleich aber besticht die Biografie durch ihren literarischen Wert. Eingeflochtene Vitae von Bezugspersonen, Betrachtungen zur politischen Lage und ein angemessener Anteil Philosophie geben dieser Biografie eine ganz persönliche Note. Am Ende wird der Leser bedauern, dass dem Autor die Vollendung verwehrt blieb.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 10. August 2008 | | |
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